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Hodina, Peter: Steine und Bausteine 1

Hodina, Peter

Steine und Bausteine 1

160 Seiten, ISBN 978-3-86938-001-8, 17,90 EUR

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Ebenfalls im AVINUS Verlag erschienen:

Hodina, Peter, Steine und Bausteine 2

Hodina, Peter, Steine und Bausteine 3

„Ein Haufen aufs Geratewohl hingeschütteter Dinge ist die schönste Ordnung“ – dieses Fragment ist uns von Heraklit, dem vorsokratischen Philosophen, erhalten. Peter Hodinas ‚Steine und Bausteine’ sind Ausdruck einer organisatorischen Kapitulation. Seine Notiz-bücher sind ihm über den Kopf gewachsen; in sie Ordnung zu bringen ist nur mehr möglich durch ein Spiel mit dem Zufall. Ein solches Spiel – es hätte sich auch anders konfigurieren können – findet Niederschlag in den drei Bänden, von denen der erste im Herbst 2009 erschienen ist. Wo immer man möchte, sollte man die Bände aufschlagen können – und sich festlesen. ‚Steine und Bausteine’ – ein provisorischer Titel für ein Provisorium, Sammelsurium, Vademekum. Ein ‚Sudelbuch’ der Gegenwart. Aphorismen, Traumprotokolle, Lesefrüchte, gleichnishafte Erzählprosa, manchmal ein Gedicht. Griffe ins Volle, ins Leere, ins Dazwischen. Je nachdem. Es kommt auch auf den Lesenden an. Lesen als Lebensform – diese Programmatik liegt den ‚Steinen und Bausteinen’ zugrunde. Entlang dem Lesen leben. Entlang dem Leben lesen. Lebens-Lese. ‚Steine’ – können sein: bunte Steine, Edelsteine, Stolpersteine, Geröll; ‚Bausteine’ weisen auf Weiteres: Konstruktion, System vielleicht ist intendiert. Statt des Babylonischen Turms werden wir vom Autor auf eine Babylonische Baustelle geleitet. Material zuhauf. Pläne werden entrollt – sie rollen sich zurück. Ein beständiger Kampf mit der Schwerkraft der Verhältnisse.

Peter Hodina hat einen potenziellen, utopischen Leser vor Augen: „Es wird einmal Menschen geben, die tausend Jahre alt werden. Die Medizin wird einmal einen tausendjährigen Menschen zustande bringen. Ob das wünschenswert ist, weiß ich nicht. Womit soll sich der tausendjährige Mensch dann die Zeit vertreiben? Für einen Leser, der tausend Jahre Zeit hat, sind Paul Valérys ‚Cahiers’ mit dem stattlichen Umfang von 35.000 Seiten gerade gut genug, sobald er Marcel Prousts ‚À la recherche du temps perdu’ auswendig gelernt hat. Und Henri Frédéric Amiels Tagebuch, das von der Leidenschaft der Selbstbeobachtung durchdrungen ist. Aus purer Langeweile, nur zum Zeitvertreib wird spätestens ein tausendjähriger Mensch einmal auch meine ‚Steine und Bausteine’ herausgraben – da bin ich zuversichtlich –, und sich die unendliche gottgleiche Ödnis seiner Jahrhunderte zur Abwechslung auch mit diesem Blechspielzeug vertreiben wollen. Er wird mich bald beiseite werfen. Nur wird ‚bald’ bei einem Zeitvolumen von tausend Jahren etwas ganz anderes heißen als heutzutage. Vielleicht liest mich einer von den tausendjährigen Menschen dann ein ganzes Jahr lang …“

Teil 2 und 3 erscheinen voraussichtlich 2010 im AVINUS Verlag.

Anwendungsfall Selbstmord: Hermann M. nahm sich das Leben (das ganze), vergaß dabei aber, dass das auch bedeuten würde, niemals mehr ein Buch zur Hand nehmen, niemals mehr reisen, niemals mehr ein geistreiches Gespräch führen, niemals mehr jemanden umarmen zu können. Hätte er die Summe dieser Teile vor Augen gehabt und nur diese Summe, er hätte sich (bei klarem Verstande) vermutlich das Leben nicht oder nicht so überstürzt genommen. Das ganze Leben nehmen wir uns wohl leichtfertiger, aber die Teile, aus denen das Leben besteht? Das Ganze wog bei Hermann an seinem Selbstmord-Tag weniger schwer als die Teile, das Ganze war sogar weniger als die Teile. Die Teile (Schmerz-Splitter) wurden schwer wie die Steine im Bauch des Märchen-Wolfs und zogen ihn in den Grund. Dem war nichts Ganzes mehr entgegenzuhalten, nur mehr eine Selbstmordvollzugsganzheit.

Pressestimmen: „(…) ein Flaneur, der in gleicher Weise, wie er die Stadt – vornehmlich mit dem Blick auf die Randfiguren – zu lesen versucht, in einer permanenten Vergewisserung sich selbst auf die Spur zu kommen trachtet.“ (Birgit Müller-Wieland, in: Die Rampe. Hefte für Literatur, Heft 2/2007)

„(…) sprachliche Selbstreflexion der feinsten Art.“ (Martin Amanshauser/Ulrike Tanzer/Erika Wimmer: Laudatio für Peter Hodina, in: SALZ. Zeitschrift für Literatur, Heft 116/2004)

„In einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem man sich von heiligen Kühen umstellt sieht, ihnen mitunter bis zum Ersticken ausgeliefert zu sein scheint, inszeniert Hodina das lustvolle Aufsprengen von Verkrustungen und überkommenen Sichtweisen, und in diesem Zusammenhang sind auch die blasphemischen Bilder zu sehen und zu bewerten. Die Schlachtung der heiligen Kühe ist nicht Selbstzweck oder kritisches Gehabe, vielmehr erhebt der Autor kompromisslos, darum aber nicht ernst oder übertrieben bedeutungsvoll, den existentiell notwendigen Befreiungsschlag zum literarischen Thema.“ (ebenda)

„Mit bedrückender Verzweiflung über den Mief von tausend Jahren entsteht hier ein eigenständiges Sinnbild, sprachlich konzis und inhaltlich rauschhaft, zwischen Thomas Bernhard und Werner Kofler.“ (ebenda)

 

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